Wie eine Projektwoche eine ganze Schule verändern kann

Das Konzept, das Kerstin Vollmer gemeinsam mit Schulleiter Rainer Graef und ihren Kolleg/innen seit besagter Projektwoche entwickelt hat, trägt den etwas sperrigen Titel „Erfolgreiches Lernen in der Grundschule: Wertschätzender Umgang mit den Leistungen der Kinder im Rahmen individualisierter Lernprozesse“. Eckpfeiler des Konzepts ist zum einem die Orientierung für das Kind mittels individueller Lernziele und zum anderen die Leistungsrückmeldungen für die Eltern. Ziel ist es, mit dem Kind gemeinsam zu besprechen, wie es Dinge, die es noch nicht kann, am besten noch angehen kann. In Lernzielen auf Karteikärtchen wird alles gemeinsam festgehalten.

„Die Eltern hatten anfangs sehr viel mehr Schwierigkeiten als ihre Kinder.“ (Rainer Graef)

Marlis Tepe und Doro Moritz sind beeindruckt. Sie fragen nach der Reaktion der Eltern. „Die Eltern hatten anfangs sehr viel mehr Schwierigkeiten als ihre Kinder von ihrer starren Notenvorstellung wegzukommen“, berichtet Graef. Heute, so die Vertreterin der Eltern Stephanie Hummel, sei sie dankbar über die viel differenziertere Rückmeldung zu den Fortschritten ihres Sohnes. „In allen Mitarbeitergesprächen und in der Qualitätsentwicklung im Arbeitsleben wird so gearbeitet.“, ergänzt sie. Für Friedrich Baumgärtner, CDU-Gemeinderat in Hohenhaslach, klingelt der Wecker seit seine Tochter auf dieser Schule ist deutlich früher, obwohl er nur einen Steinwurf entfernt wohnt. Seine Viertklässlerin will unbedingt das Angebot nutzen, möglichst früh in der Schule zu sein und ihre individuelle Lernphase in Ruhe zu beginnen – und vielleicht die beliebte Lehrerin auch für einen Moment für sich alleine zu haben. Sie stellte sich irgendwann einfach früher den Wecker als der Rest der Familie. Um gemeinsam zu frühstücken heißt es nun auch für Friedrich Baumgärtner früher aufstehen. Und das nur, weil seine Tochter unbedingt in die Schule möchte!

„Ein Unterricht und eine Pädagogik wie sie an dieser Schule gestaltet wird – so stellen wir uns die Schule der Zukunft vor“, sagt Marlis Tepe. „Und wir kämpfen weiter dafür, dass diese engagierten Lehrkräfte an den Grundschulen auch entsprechend nach A13 besoldet werden“, ergänzt Doro Moritz.

Ein Mittagessen mit dem gemeinsamen Kollegium der Berg- und der Kirbachschule, zu der auch eine Werkrealschule gehört, rundet den Besuch der Bundesvorsitzenden in Hohenhaslach ab. Mit dem Rektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg Prof. Martin Fix, Prof. Jörg Keßler, Professor an der PH und Prof. Wolfgang Mack, Dekan der Fakultät für Sonderpädagogik diskutierten Marlis Tepe und Doro Moritz die Studienplatzkapazitäten und die Ausstattung der Pädagogischen Hochschulen am Nachmittag. Tepe und Moritz sagten zu, die PHen in ihrem Wunsch nach mehr Praxis- und Profilforschung zu unterstützen.

„Ich möchte eigentlich etwas tun, aber bei meinen Kolleginnen und Kollegen fehlt oftmals der Mut.“

Bei Kaffee und Kuchen wartete auch schon das nächste intensive Gespräch auf die beiden Vorsitzenden. In einem sehr ehrlichen Austausch berichten GEW-Vertrauensleute aus der Grundschule von ihren Herausforderungen. „Die Probleme den Ganztag zu stemmen und die ständigen Vertretungen – das sind die beiden zentralen Themen“, fassen die Vertrauensleute zusammen. Eine Vertrauensfrau einer kleinen Grundschule erzählt: „Ich möchte eigentlich etwas tun, aber bei meinen Kolleginnen und Kollegen fehlt oftmals der Mut, Dinge anzusprechen, es bleibt beim Schimpfen. Die Kolleginnen und Kollegen haben Angst, benachteiligt zu werden“. Tepe und Marlis geben aus ihrer eigenen Erfahrung heraus lösungsorientierte und hilfreiche Tipps, um einen guten Weg zu finden, mit den Problemen umzugehen. „Gespräche führen und die GEW kontaktieren, wenn ihr euch nicht sicher seid, was man tun kann – das ist aus meiner Sicht der erste Schritt um voran zu kommen“, so Doro Moritz.

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